RÖMÖ – Insel in der Nordsee

Wie kommt man als Salzburger auf die Idee mit zwei Pferden nach Dänemark zu reisen, das noch dazu auf eine Insel. Ist die Insel bewohnt – eventuell noch von Wikinger – oder gibt’s da eine Fähre, eine Brücke, was bekommen die Pferde auf der Insel zu fressen, usw, usw.

So oder ähnlich waren die Fragen als ich das erste Mal über das Thema sprach. Ich konnte beruhigen“ ich habe alles bis ins Detail geplant“ sagte ich, sogar der Amtstierarzt war eingeladen – ich brauche ja eine Transportbescheinigung.

Eigentlich war die Sache ganz einfach zu erklären: Man (auch Frau) träumt als Reiter einfach davon, einmal am Strand entlang zu galoppieren, die Gischt im Gesicht, den Wind im offenen Haar – wenn man denn genügend hat – romantisch nicht war und … eigentlich ganz einfach.

Strandreiten in Italien haben wir schon zweimal erlebt, bestens organisiert von unserem Freund Alfred, aber ohne eigene Pferde dafür mit (zu)viel Wein und gutem italienischen Essen. Außerdem, man musste zuerst zwischen den Hotels hindurch, dann am Strand einmal hinauf und hinunter, Photoshoot, das war´s. Für mich alles etwas zu wenig und zu eng, ich will Weite, keine Menschenseele, keine Menschen die mir vor die (Pferde)Beine laufen… So beginne ich also meine Recherche. An die Nord oder Ostsee soll es gehen. An vielen Stränden, so sagt man mir, soll sich die menschliche Population noch sehr in Grenzen halten. Das naheliegendste wäre Deutschland, unser nördlicher Nachbar. Ich merke aber bald dass es an deutschen Stränden – aufgrund der vielen Seebäder, Hafenanlagen und Naturschutzgebieten, wohl schwer werden würde einen passenden Ort für unsere Unternehmungen zu finden. Bei diesen Nachforschungen gerät Dänemark immer mehr in meinen Fokus. Dänemark ist Reitern gegenüber sehr liberal eingestellt. Ja dann war sie plötzlich da, die Nordseeinsel Römö.

Sie besitzt einen der breitesten, längsten und frei zugänglichen Sandstrände von Nordeuropa. Das war´s, da will ich hin. Eine Unterkunft für Pferd und Reiter ist schnell gefunden. Die Entfernung von Salzburg 1200 km. Sowas geht nicht in einem. Das bedeutet Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Die erste finde ich in der Röhn, übrigens ein schönes Wanderreitgebiet. Das zweite Mal wird pausiert in der Lüneburger Heide. Einen Tag durch die Heide reiten, dann geht’s weiter nach Hamburg.

Die Gelegenheit genützt, Pferde auf der Reeperbahn – gibt’s sicher nicht so oft. …noch hinunter zum Fischmarkt, leider hat er seine Pforten bereits geschlossen.

 

Egal ein Erinnerungsfoto am Hafen, dann geht’s weiter in Richtung Norden…

Wir machen Pause am Nord-Ostsee Kanal , für unsere Vierbeiner ein besonderes Erlebnis.

Der Nord Ostsee Kanal verbindet die Nordsee mit der Ostsee und ist die meist befahrenste künstliche Wasserstraße der Welt. Der Kanal erspart den großen Schiffen den ca. 900 km langen Umweg um die Nordspitze Dänemarks. Er wird von ca.30.000 Schiffen pro Jahr befahren.

Ein Zeichen des Nordens – der für hier typische Baustil, mit Reet gedeckte Häuser.

Das an Ufern oder in sumpfigem Gelände wachsende Schilfrohr wird als Reet bezeichnet. Es wird vielerorts in getrocknetem Zustand zur Dacheindeckung verwendet.

Nach 1200 km erreichen wir den 10km langen Straßendamm der auf die Insel führt.

Früher gab es eine Fährverbindung. Die Insel wurde entdeckt als Ferieninsel, die Nachfrage nach einer fixen Verbindung zur Insel stieg, so baute man 1948 einen Straßendamm.

Römö ist die südlichste dänische Nordseeinsel. Sie gehört zu den dänischen Wattenmeer Inseln. Der Strand, bei Ebbe an seiner breitesten Stelle 5 km breit und etwa 23 km lang – was willst du mehr, und keine Menschenseele.

Etwas aus der Geschichte – die Insel entstand vor etwa 2500 Jahren als große Sandbank, auf der mit der Zeit erste Pflanzen wurzelten.

Allmählich bildeten sich dann Dünenketten und erstes Marschland entstand.

Mitte des 13. Jahrhunderts ließen sich hier die ersten Menschen nieder, die dann mehr schlecht als recht von Viehzucht und vom Fischfang lebten. Das häufige Sandtreiben verhinderte eine ertragreiche Landwirtschaft, deshalb verdienten sich so manche Inselbewohner auch ein Zubrot als Seeräuber.

Da sind wir auch gleich mit einer Besonderheit Dänemarks konfrontiert – obwohl die Dänen als sehr Hundefreundlich gelten, gilt seit einer Volksabstimmung überall die Leinenpflicht für Hunde. Um den Hunden aber dennoch genügen Auslauf zu biete, gibt es Hundeparks sogenannte Hundeskov`s.

Einer unserer ersten Ritte führt uns in den Hafen von Havneby. Es ist ein relativ kleiner und alter Hafen, der einzige nennenswerte der Insel Römö.

Hier legt auch die Fähre auf die Nachbarinsel Sylt an. Früher diente der Hafen den hier ansässigen Fischern als Ausgangspunkt zum Walfang der sie weit in den Norden bis hinauf in das Eismeer führte.

Ab dem 16. Jahrhundert erlangte die Seefahrt große Bedeutung auf der Insel.

Havneby übernahm dabei zeitweise die Funktion des Hochseehafens für die auf dem Festland liegende Stadt Ribe. Der Hafen von Ribe verlandete immer mehr und war für große Schiffe nicht mehr erreichbar.

Im 17. und 18. Jahrhundert brachte dann der Walfang erstmalig großen Reichtum auf die karge Insel. In der Blütezeit des Walfangs stellte Rømø bis zu 40 Kommandeure. So wurden die Kommandanten der Walfangboote bezeichnet. Auch heute noch ist Havneby Heimathafen einiger Fischkutter die beim Anlegen an die Pier gar sonderbare Geräusche machen.

Der fangfrische Fisch wird direkt im Hafen in Fischgeschäften angeboten…

…oder in Hafenrestaurants vorzüglich zubereitet.

Auf der anderen Seite der Insel geht es zum Strand, wie gesagt einer der größten frei zugängliche Sandstrände Nordeuropas. Um eben diesen zu erreichen muss man durch die so genannten Plantagen reiten. Sie wurden angelegt um den gefährlichen Windverfrachtungen entgegenzuwirken.

Durch die Plantagen geht’s hinaus in die Dünen und…

…obwohl man am Strand überall reiten darf, ist in den Dünen das Reiten nur am Reitweg erlaubt.

Durch die Hufe der Pferde würde sonst die dünne Grasnarbe geschädigt und die gefürchtete Sandverfrachtung durch Wind und Wetter würde ihren Lauf nehmen.

Es geht hinaus über den letzten Dünenkamm…

…endlich ist der Strand erreicht.

 

Wir überqueren den weiten 3 km breiten Strand, der hier nur frei ist weil sich das Wasser bei Ebbe soweit zurückgezogen hat. Bei Flut steht hier alles fast 2 Meter unter Wasser – wir werden es später noch erleben.

Dann sind wir schon an der Wasserkante, bis hierher zieht sich das Meer bei Ebbe zurück.

Das soll heißen, das Meer genau im Auge behalte, wenn es wieder steigt muss man sich sputen, noch drei Kilometer sind es bis in die Dünen, ans rettende Ufer.

Der Blick reicht bis zur Nachbarinsel Sylt, sie ist die nördlichste deutsche Wattenmeer Insel.

Die beiden Inseln haben ein besonderes Verhältnis. Die Insel Sylt wird immer kleiner, die Insel Römö dagegen wächst.

Der Grund; durch den Wind und die Meeresströmungen wird Sand von Sylt abgetragen und hier auf Römö wieder angespült.

Das ist der erste Eindruck vom schönen, bis jetzt menschenleeren Strand. Am Abend erzählt uns unser Gastgeber, Herr Sigurd Thomsen, von einer besonderen Sehenswürdigkeit im Norden der Insel.

Diese erzähle von der Vergangenheit der Insel, so sagt er uns, man soll sie unbedingt besuchen. Es ist ein Gebäude, ein Teil des dänischen Nationalmuseums auf der Insel Römö, der sogenannte Kommandørgården.

Der Name weist auf die Kommandeure (Kapitäne) hin, die im 18. und 19. Jahrhundert das Kommando auf den großen Walfangbooten führten.  Der vollmöblierte Hof zeugt vom Wohlstand den der Walfang oder die Handelsschifffahrt den Kapitänen einbrachte.

Dieser Raum ist mit den berühmten und sehr teuren Fliesen aus Telft in den Niederlanden getäfelt.

Die meiste Zeit des Jahres verbrachten die Kommandeure auf See, wo sie im Nordatlantik Wale jagten oder lange Handelsreisen unternahmen.

Dieses aufgehängte Skelett in der Scheune des Kommandørgården stammt jedoch nicht von einem gejagten Wal, sondern von einem 1996 auf Rømø gestrandeten Tier.

Er war zu Lebzeiten 28 Tonne schwer.

Noch eine Besonderheit:

Auf Rømø gibt es keinen nennenswerten Baumbestand. Baumaterial musste vom Festland teuer per Schiff auf die Insel gebracht werden. Die Bäume standen ja unter Schutz und durften nicht gefällt. Sie schützten vor Sandverfrachtungen. Steine gibt es nur in der Größe eines Sandkornes.

So wurde im 18. Jahrhundert mit ungewöhnlichem Rohstoff gebaut. Im Norden der Insel, bei Juvre, kann man noch heute den Rest eines Zaunes aus Walfischknochen aus dem Jahr 1772 sehen.

Zurück am Strand, fallen sofort die vielen Kühe auf.

Kühe sind zwar auch auf Römö, so wie in vielen Teilen Dänemarks, nichts Besonderes – aber an diese Stelle gehören sie sicher nicht hin. Sie haben einen Zaun durchbrochen sind unterwegs zum Strand.

Ich erkenne die Chance sofort – für einen echten Westernreiter die Gelegenheit, das Arbeiten mit einer frei laufenden Rinderherde, das ist Working Cowhorse for free…

Die Ausbildung zum Westernpferd soll nicht umsonst gewesen sein. In Amerika zahlt man sehr viel Geld nur für die Teilnahme an einem Rindertrieb – und das wird uns hier gerade zum Nulltarif geboten.

Ich nehme das Angebot an und beginne, sehr vorsichtig natürlich, um die Tiere nicht zu erschrecken, die Herde wieder Richtung Weide zu treiben.

Und tatsächlich gelingt es alle Kühe einzusammeln…

… und von ihrem Ausflug wieder heil nach Hause zu bringen. Der Bauer hatte nichts gemerkt.

Wir wollen nach Ribe, die älteste Stadt Dänemarks. Das Ganze aber ohne Pferde, sie bekommen heute Pause – waren ja ein paar anstrengende Tage.

Der Ursprung der Stadt geht zurück auf ein altes Kloster.

Es ist übrigens auch die Stadt für die Havneby auf Römö lange Zeit die Aufgabe des Hochseehafens übernahm.

Die Wikinger spielten in Dänemark allgemein und in Ribe eine besondere Rolle. Dies wird dokumentiert im Wikingercenter von Ribe, ein lebendiges Freilichtmuseum.

Die Stadt Ribe war in der Wikingerzeit eine wichtige See und Handelsstation.

 

Die Wikingerzeit begann Geschichtswissenschaftlich gesehen 793 und endete 1066 mit der Schlacht bei Hastings. Der Einfluss der Wikinger reicht wesentlich weiter, wie man in diesem Museum hautnah erleben kann.

Sie bauten solche Langhäuser. Diese Häuser beherbergten eine typische Großfamilie die eine Wirtschaftseinheit bildet. Ein Beispiel hierfür sind Mehrgenerationen-Bauernfamilien.

Es ist ein lebendes Museum – es gibt viele Menschen die hier ihren Traum vom Wikinger leben, einen Tag, ein Monat oder noch viel länger.

 

Wikinger waren für ihre rauen Sitten bekannt, das Pferd dürfte ein Islandpony gewesen sein – offensichtlich nicht ganz folgsam.

Obwohl – es waren die Wikinger die das Pferd im 9. Jhd. nach Island brachten und so die Islandpferderasse begründeten.

Wir wollen aber noch weiter in Richtung Norden. Unser Ziel, der Leuchtturm von Blåvandshuk.

Ein strahlend weißer Turm mit einer Höhe von 39 Metern. Er markiert den westlichsten Punkt Dänemarks. Sein Licht kann man noch in einer Entfernung von 42 km sehen.

Der Leuchtturm sollte die Schiffe vor Horns Rev warnen, einer Sandbank die sich 40 km hinaus in die Nordsee erstreckt.

Früher auch das „Horn des Teufels“ genannt war es bis zur Einführung der modernen Navigation gefürchtet und zählte zu den gefährlichsten Orten der christlichen Seefahrt.

Oben am Turm, er kann ganzjährig besichtigt werden, fallen mir in der Ferne sonderbare Gebilde auf.

Wenn man das Zoom der Kamera bemüht, erkennt man große Pferde die sich offensichtlich auf das Meer zubewegen. Pferde am Strand – das bedarf einer genaueren Untersuchung.

Es sind Teile einer ehemaligen Befestigungsanlage – der Atlantikwall – im zweiten Weltkrieg sollte er deutsches Gebiet vor feindlichen Invasoren schützen.

Dieser Wall hatte eine Gesamtlänge von über 5000 Km und erstreckte sich von Spanien bis zum nördlichsten Norwegen.

Die Holzpfähle im Vordergrund dienen zur Landgewinnung. Es lagern sich Sand und Schlick ab, dann wurzeln erste Pflanzen, anschließen bilden sich Dünen und Marschland entsteht. So wurde auch Römö geboren.

Wir sind wieder zurück auf Römö, im Met-report steht Sturm vom feinsten.

Wir haben Flut und zusätzlich herrscht starker Wind aus Nordwest mit Windstärken zwischen 9 und 10.

Der Tidenhub kann hier bis zu 1,90m betragen. Also, dort wo wir vorher geritten sind, steht jetzt fast 2 Meter hoch das Wasser. Das wiederholt sich alle 12 Stunden und ca. 25 min.

Wenn man in diesem Gebiet unterwegs ist gilt das gleiche wie in den Alpen, es gilt sich unbedingt mit den Gesetzen der Natur zu beschäftigen. Das bedeutet den Gezeitenplan genau beachten. Den bekommt man an jeder Tankstelle, Bäckerei, Hotel usw.

Der Aufenthalt in der Natur wird hier zum besonderen Erlebnis.

Das ganze dauerte 4 Tage und 4 Nächte, doch nach jedem Sturm und Regen gibt es wieder Sonnenschein – wir satteln die Pferde und machen uns auf zu einem ausführlichen Strandritt.

Leider geht jede Reise einmal zu Ende. Es waren zwei aufregende Wochen voll mit vielen neuen Erlebnissen. Sei es die unendliche Weite des Ozeans oder die breiten ewig langen Sandstrände.

Die freundlichen Menschen die uns begegneten ebenso zu erwähnen wie die Erfahrung mit Ebbe und Flut.

Dazu der starke Sturm, es gäbe noch viel über das man berichten könnte – z.B. den vorzügliche Fisch in den Restaurants …

Eben und darum geht es – es war alles etwas Besonderes. Doch so aufregend wie die Reise auch war, es heißt Abschied nehmen.

Es macht sich Melancholie und Wehmut breit, die Pferde werden in den Hänger verladen, das Gepäck ist verstaut es geht los in Richtung Heimat.

…so long, see you at the next trail…

 

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