Irland Teil 2

Die abwechslungsreiche Landschaft, sie bietet einmal vom Atlantik wild zerklüftet Steilküsten, dann wieder breite Strände mit…

…feinstem Südseesand. Im Sommer sind diese Strände voll von Erholung suchenden Menschen. 

Ich bin aber nicht in der Südsee sondern im Donegal County. Das Gebiet hier ist gälisch-sprachig, also eine Gaeltacht. Somit sind Verkehrszeichen und Straßenschilder ausschließlich in irischer Sprache.

Die Navigation wird dadurch oft zum Lotteriespiel aber, die selbstverständliche Zuvorkommenheit der Verkehrsteilnehmer in Irland toleriert fast jeden Fehler.

Auffallend viele Häuser sind geschmückt mit gelb-grünen Fahnen. Es steht das wichtigste  Fußballspiel des Jahres auf dem Programm. Am Sonntag findet das Finale zwischen dem County Kerry und dem County Donegal statt.

Um die Solidarität mit ihrer Mannschaft zu bekunden, lassen sich die Bewohner des Countys so allerhand einfallen. Teilweise werden sogar ganze Autos „geopfert“.

Die Begeisterung dieses Vierbeiners hält sich allerdings in Grenzen. Seinem Ausdruck nach ist er eher ein Fan der grünen Landschaft als ein Freund der grün-gelben Mannschaft.

Ganz anders dieses Pferd. Siegessicher blickt es mich an, wer gewinnt, ich kann es dir leider nicht sagen mein Freund – am Sonntag werden wir es wissen.

Wieder unterwegs am „Wild Atlantic Way“…

…der mich jetzt alles andere als schnurstracks und gerade…

… in den teilweise gälisch sprachigen Hafenort Burtonport führt.

An keinem anderen Pier Irlands werden angeblich mehr Hummer und Lachse umgeschlagen als in Burtonport. Ich mach mich auf die Suche nach Hummer & Co, aber angesichts des winzig kleinen Hafens kommen mir so langsam die Zweifel.

Ich sehe eine Fähre die die vorgelagerten Inseln bedient, einige verwaiste Fischerboote und ein Schiff der Küstenwache. Das war´s, oder doch nicht? 

Plötzlich höre ich eigenartige Geräusche. Da stapft doch tatsächlich ein Mann mit hohen Gummistiefeln im Hafenbecken herum. An der Hand ein kleines Boot. Mit seinem Besen säubert er den Hafengrund. Wir haben ja jetzt Ebbe. Ich schaue ihm eine ganze Zeit lang zu, dann halte ich es nicht mehr aus.

Ganz freundlich frage ich was er da mache. „Ich reinige den Grund von Steinen“ sagte er mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Mein verwunderter Blick animiert ihn offensichtlich das ganze genauer zu erklären.

Er sei nicht von Burtonport. „Ich bin Fischer und lebe auf der vorgelagerten Insel. Morgen bringe ich mein Fischerboot und setze es hier auf Grund. Es muss repariert werden“. Ok…jetzt verstehe ich. Er läuft bei Flut in den Hafen ein, wenn das Wasser abläuft setzt das Boot auf den Hafengrund auf und er kann es im Trockenen reparieren. Bei der nächsten Flut muss er fertig sein, dann steigt das Wasser wieder, ein einfaches und billiges Trockendock.

Wenn er Fischer ist, weiß er sicher wo ich den Fisch probieren kann der hier jeden Tag gefangen wird. „ Im Restaurant Lobster- Pot – nicht weit vom Hafen entfernt“ meint er und widmet sich wieder akribisch seiner Arbeit.

Es ist schon seltsam, die Straßen sind leer als wäre der Ort ausgestorben. Erst später erfahre ich dass heute das große Fußballfinale stattfindet. County Donegal sitzt geschlossen vor den Fernsehgeräten. Mir kann es nur recht sein, so ist es ruhig und gemütlich im Lobster Pot.

Der erste Kontakt im Restaurant, etwas furchteinflößend – ein Haifischjäger spricht mich an…

…nein, nein – ein Maler! Seine Kleidung dürfte nur sein großes Mundwerk symbolisieren. Er erzählt mir vom Urlaub in Deutschland und Österreich – ich möchte was essen, was empfiehlst du mir? –

“Fisherman´s catch” seine Antwort kurz und bündig. Das ist der Fisch den der „Fisherman“ vorige Nacht gefangen hat. Eine Überraschung sozusagen, aber mit Sicherheit frisch. Das probiere ich…

Es ist schon lange Nacht als ich den Lobster Pot verlasse, Donegal hat im Fußball verloren – das ist mittlerweile traurige Gewissheit. Die Fischerboote stehen zum Auslaufen bereit, sie müssen hinaus auf den Atlantik um morgen wieder frischen “Fisherman´s catch” anbieten zu können.

Ausgeschlafen und gestärkt geht es weiter. „The Rosses“ so heißt die raue und naturbelassene Landschaft durch die mich jetzt mein Weg führt.

Kleine Felder die von Steinmauern umgeben sind …

…zahlreiche Seen und graue Felslandschaften, so präsentiert sich dieses flache Küstenland.

Über Gweedore – oder gälisch Gaoth Dobhair – erreiche ich die Klippen von Bloody Foreland. Der Name hat aber offiziell nichts mit „Blut“ zutun. Wenn die Sonne im Meer versinkt beleuchtet sie die rötlichen Granitfelsen. So entsteht das rost-rötliche Gesicht von Bloody Foreland.

Das Moor und Irland gehören unweigerlich zusammen. Fast ein Siebtel, also über 1 Mio. Hektar sind als Moorlandschaft ausgewiesen.

Von alters her bauten die Iren Torf ab. In ländlichen Gegenden kann man immer wieder Torfstecher bei der Arbeit beobachten. Viele Familien haben auch heute noch ihren eigenen Torfstich. Er wird von April bis September genützt um das Heizmaterial für den nächsten Winter zu beschaffen. Und das mit einfachen Mitteln quasi vor ihrer Haustüre.

Bald erreiche ich das Dörfchen Gortahork. Das Gälisch ist in dieser Streusiedlung noch sehr lebendig. Zum Üben und Erlernen der irischen Sprache kommen viele Nordiren hierher. Auch der Präsident der irischen Sinn Fèin, Gerry Adams, hat hier ein Ferienhaus.

In dem typischen Donegal-Weiler zweigt eine etwas abenteuerliche Stichstraße ab.

Auf diesem ca. 6 km langen Rundweg gelangt man zu den Klippen von Horn Head.

„The Cliffs“ wie sie hier nur genannte werden, fallen nahezu 200 Meter senkrecht in das Meer ab. In den steilen Felswänden nisten unzählige Seevögel…

Irland hat nicht nur schöne Landschaft zu bieten sondern auch Schlösser, Klöster und finstere Burgruinen in deren Efeu die Dohlen nisten.

So wie das idyllisch und natürlich strategisch günstige auf einem Felsen gelegene, Doe Castle.

Dieses verfallene Schloss ruht eindrucksvoll auf einem Felsen über der Bucht von Sheephaven. Es wurde im 15. Jahrhundert von der Mac Sweeney-Familie errichtet und ist heute für Besucher aus aller Welt geöffnet.

Nun geht es auf den Fannad Drive eine 80 km lange Rundfahrt um die Fanad-Peninsula.

Ist Irland an und für sich schon für Ruhe und Gemütlichkeit bekannt, hat man in diesen Gefilden der grünen Insel ganz besonders das Gefühl dass der schon zitierte „liebenswürdige irische Schlendrian“ hier besonders präsent ist und sogar das liebe Vieh in Beschlag genommen hat das auf sattem Weideland dick und fett wird.

Auch ich erliege dem Schlendrian, zu beeindruckend ist die Landschaft. Den nördlichsten Punkt Irlands erreiche ich morgen auch noch…

 

 … und so komme ich schön langsam nach Fanad Head.

Der nördlichste Punkt der Fanad-Peninsula ist eine wildromantische Landzunge mit atemberaubender Landschaft. Sie ist auch bekannt für den legendären Leuchtturm und die wunderbaren Sandstrände.

Hier versank die Fregatte HMS Saldanha in den Fluten. Der einzige Überlebende des Unglückes war der Papagei des Kapitäns. Um die Schifffahrt vor diesen gefährlichen Felsen zu warnen errichtete man einen Leuchtturm. Wenn man etwas Glück hat, kann man in der Ferne sogar einen springenden Wal ausmachen.

Kurz nach dem Örtchen Portsalon bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf einen mehrere Kilometer langen und elegant geschwungenen Sandstrand.

Auf einer kleinen Hinweistafel wird der interessierte Besucher darauf hingewiesen, dass hier in regelmäßigen Abständen die Beschaffenheit des Wassers gemessen wird.

Dieser Strand liegt am Lough Swilly, einem fjordartigen Meeresarm zwischen den Halbinseln Fanad und Inishowen. Die Engländer benutzten diesen Meeresarm im ersten Weltkrieg als sicheren Ankerplatz für die Royal Navy.  Sie bauten eine Reihe von Forts um dieses Gebiet zu sichern. Fort Dunree war eines davon.

Das Original wurde aber bereits 1831 erbaut. Im Laufe der Jahre wurde das Fort immer wieder modernisiert und mit neuesten Waffen ausgestattet.

Die Überreste können besichtigt werden…

… und beherbergen heute ein Museum.

Ich bin jetzt unterwegs auf der Inishowen-Peninsula. Sie ist die nördlichste und auch gleichzeitig größte Halbinsel Irlands. Aufgrund ihrer Lage ist es im Sommer etwas kühler aber dafür im Winter auch etwas wärmer als im Rest von Irland.

Das Landesinnere der Halbinsel besteht hauptsächlich aus Hügelketten, wobei…

…wer hier über Land fährt sollte es nicht besonders eilig haben. Ab und zu gibt es sogenannte „Dual Carriage Ways“ also Schnellstraßen, aber normal sind es kurvige und enge, teils nicht klassifizierte Straßen. Sie haben immer wieder Überraschungen bereit.

So zum Beispiel der typische „ Mann mit Fahrrad und Hund“ kann da ja ein angeregtes Gespräch mit einem Freund führen, oder…

…eine Abordnung der 11 Mio. Schafe, die es in Irland gibt, könnte sich mitten auf der Fahrbahn gerade die Zeit vertreiben.

Der Küste entlang, beeindruckt mich immer wieder die Kraft mit der hier der Nordatlantik auf die Insel trifft.

Auch die Surfer lassen sich herausfordern. Dass das nicht immer glimpflich abgeht kann man an den sehr eindringlich gestalteten Warnhinweisen erkennen.

Aber nicht nur Sportler hinterlassen im Sand ihre Spuren.

Der einsame Wanderer am Strand, bezeichnend für die Zeit der Smartphones und diverser sozialer Netzwerke. Diese sind meistens nichts anderes als Ersatz für fehlende menschliche Nähe und Wärme in unserer hektischen nur mehr auf Profit ausgerichteten Welt. So ziehen immer mehr Menschen als einsame Wanderer durchs Leben.

Alleine unterwegs merke ich jetzt so richtig wie man die Nähe eines einzigen Menschen vermissen kann. Verrückt eigentlich, da gibt es ja noch über 7 Milliarden davon… möchte man glauben.

Wie das Leben so spielt, komme auch ich an eine Stelle an der es kein Weiterkommen mehr gibt. Das Gefühl warnt vor diversen Gefahren…

…da hilft nur auf der holprigen Straße zurück und die Abzweigung suchen an der wir falsch  abgebogen sind.

Der richtige Weg zeigt in diesem Fall nach Norden zum nördlichsten Punkt von Irland.

Unzählige Halbinseln, Landzungen und Buchten zieren hier ganz im Norden…

…die felsige Küste mit ihren beindruckenden Steilklippen.

Auch Pferde gibt es hier in Marlin Head, sie fügen sich in die Landschaft – man könnte fast ein Suchbild daraus machen.

Es gibt nicht viel am nördlichsten Punkt Irlands. Es sind die Reste eines Wachturms und Buchstaben aus aneinander gelegten Steinen. –ÈIRE – Dieses Wort sollte im Zweiten Weltkrieg den einfliegenden Flugzeugen signalisieren dass sie sich nun auf neutralem Gebiet befinden.

Auf Malin Head gibt es eine Wetterstation. Hier wird häufig Windstärke 12 gemessen.

Nun bin ich also angelangt, am nördlichsten Punkt Irlands.

Mein „Target“ ist erreicht und ich weiß – „am Ziel meiner Wünsche werde ich jedenfalls eines vermissen, das Wandern zum Ziel“.

Ab jetzt geht es wieder in Richtung Süden aber nicht ohne im nördlichsten Pub Irlands, in Farren’s Bar, gemütlich ein Guinness zu trinken.

Ich glaube ja fast, der Lieblingsplatz des Iren ist im Pub.

Pubs findet man auch überall im Lande. Es sind gemütliche oder weniger gemütliche Lokale, dunkel, rauchig und geräuschvolle. Man sitzt oder steht hier dicht wie in einer Sardinenbüchse, trinkt Bier und schließt Freundschaften fürs Leben. Das ganze mit wildfremden Trinkgenossen die teilweise aus dem Stegreif Musik machen und lauthals dazu singen.

Offensichtlich ist das Trinken Herzenssache – getrunken wird vorzugsweise Guinness. Es ist das Nationalgetränk, dunkel und leicht obergärig. Das Bier wird serviert mit einer schmalen Schaumkrone, darum bestellen die Iren oft einen „Parish Priest“. Das dunkle Getränk sieht ja aus wie ein schwarzer Rock mit weißem Priesterkragen.

Für den heutigen Tag ist es genug. Gleich in der Nähe des Pub´s, eine einsame Bucht, ein ruhiges Plätzchen zum Übernachten. Das einzige Geräusch, nur der Sturm und die Wellen des Atlantiks.

Fortsetzung folgt 🙂 

 

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